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AM in UK: Starke Forschung kann für industrielles Wachstum sorgen

27.08.2026

Großbritannien ist das Partnerland der Formnext 2026 und wird sich mit zahlreichen innovativen Ausstellern präsentieren sowie wichtige Impulse im Rahmenprogramm setzen.

Lesedauer: 4 Minuten

Text: Joshua Dugdale

Das Vereinigte Königreich bringt viele Voraussetzungen mit, um (wieder) eine führende Nation im Bereich Additive Manufacturing (AM) zu werden. Seine Universitäten, Forschungszentren und Hersteller bilden eine starke Basis aus akademischer und technischer Expertise und halten einen bedeutenden Anteil am weltweiten geistigen Eigentum im Bereich der AM-Technologien. Die Herausforderung für Großbritannien besteht darin, diese Forschungsleistungen in Produkte, Produktionskapazitäten und profitable Unternehmen zu überführen.

Die University of Nottingham zählt zu den führenden Universitäten Europas für Additive Manufacturing und industrielle 3D-Druck-Technologien. Bild: iStock / Ruben Minjauw
Die University of Nottingham zählt zu den führenden Universitäten Europas für Additive Manufacturing und industrielle 3D-Druck-Technologien. Bild: iStock / Ruben Minjauw

Der globale AM-Markt hatte 2024 ein Volumen von etwa 21,9 Milliarden US-Dollar (Quelle: Wohlers Report 2025). Der britische Markt wird auf 650 bis 940 Millionen US-Dollar geschätzt, was einem Anteil von 3,0 bis 4,3 Prozent entspricht. Vor rund zehn Jahren war dieser Anteil deutlich höher und betrug 2015 rund 6,9 Prozent. Das deutet darauf hin, dass andere Länder ihre Fähigkeiten schneller aufgebaut und erweitert haben.

Britische Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren generell mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu kämpfen: Hohe Inflation und Energiepreise, steigende Zinsen, dazu ein begrenzter Zugang zu Fachkräften sowie Unsicherheiten hinsichtlich der Lieferketten und der Handelsbeziehungen zur EU infolge des Brexits haben für Unsicherheit gesorgt. Dies hat wiederum hat die Investitionsbereitschaft zusätzlich gebremst, wobei insbesondere AM-Anlagenhersteller von schwierigen Marktbedingungen berichten. Anfang 2026 gab es erste Anzeichen einer Erholung. Damit Großbritannien seine frühere Position im weltweiten AM-Markt wieder erreichen kann, braucht es langfristige Anstrengungen, Investitionen und eine klarere Verbindung zwischen Forschung und industrieller Anwendung.

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds bleibt die Forschung eine der größten Stärken des Landes. Großbritannien belegt weltweit den vierten Platz bei den Patentanmeldungen im Bereich AM mit einem Anteil von rund 4 Prozent. Allerdings hat sich die Innovations-Pipeline abgeschwächt. Die öffentliche Forschungs- und Entwicklungsförderung für Additive Manufacturing sank im letzten vergleichbaren 12-Monats-Zeitraum von 81 Millionen auf 17 Millionen Pfund.

Diese Kürzungen erfolgen zu einer Zeit, in der Länder wie die USA oder China den industriellen Einsatz der Technologie im Rahmen umfassenderer Fertigungsstrategien gezielt fördern. Derzeit nutzen 17 Prozent der britischen Unternehmen AM. Für viele kleinere Unternehmen liegen die Hürden in den anfänglichen Investitionskosten, der Unsicherheit hinsichtlich des wirtschaftlichen Nutzens und im fehlenden internen Know-how. Unternehmen haben zudem Schwierigkeiten, Bauteile zu qualifizieren, geeignete technische Unterstützung zu finden oder eine Finanzierung für die späteren Entwicklungs- und Implementierungsphasen zu erhalten.

Eine stärkere industrielle Nutzung von AM ist insbesondere deshalb wichtig, weil AM gerade in Branchen, in denen Großbritannien bereits stark ist, eine wichtige Rolle spielt: Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Automobilindustrie, Gesundheitswesen, Energie und spezialisierter Maschinenbau. Diese Branchen profitieren von Bauteilen, die leichter sind, individuell optimiert werden und auch in kleinen Stückzahlen wirtschaftlich gefertigt werden können. Aus dem Verteidigungssektor ist dabei die Nachfrage stark gestiegen. Zudem kann die lokale Produktion helfen, die Abhängigkeit von empfindlichen internationalen Lieferketten zu reduzieren.

Autor: Joshua Dugdale, Head of Technology & Skills bei der Manufacturing Technologies Association, dem britischen Branchenverband für Fertigungsunternehmen. Bild: AMUK
Autor: Joshua Dugdale, Head of Technology & Skills bei der Manufacturing Technologies Association, dem britischen Branchenverband für Fertigungsunternehmen. Bild: AMUK

Die nächste Entwicklungsphase von AM sollte sich in Großbritannien auf eine stärkere Industrialisierung konzentrieren: Prototypen und Technologien aus Forschungsprojekten in qualifizierte, wiederholbare Produktionsprozesse zu überführen. Additive Manufacturing UK (AMUK) hat fünf zentrale Handlungsfelder identifiziert: Kommerzialisierung und geistiges Eigentum, Einführung und Skalierung der Technologie, Widerstandsfähigkeit der Lieferketten, Exportförderung sowie Qualifizierung und Fachkräfteentwicklung. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören eine bessere Unterstützung für Entwicklungsprojekte auf den Technologie-Reifegraden (Technology Readiness Levels, TRL) 6 bis 8, unkomplizierte Förderprogramme für erste industrielle Tests und ein leichterer Zugang zu den Kompetenzen der britischen „Catapult Centres“. Außerdem sollen Unternehmen, die ihre Innovationen kommerzialisieren wollen, dabei unterstützt werden, diese besser zu schützen. 

Das wirtschaftliche Potenzial ist beträchtlich. Wenn Großbritannien erneut einen weltweiten Marktanteil von rund 7 Prozent erreichen könnte, könnte der britische AM-Markt bis 2030 ein Volumen von fast 6 Milliarden US-Dollar erzielen. Der entscheidende Faktor dürfte dabei weniger darin liegen, die Technologie selbst zu beweisen, als vielmehr Hersteller dabei zu unterstützen, sie im industriellen Maßstab einzusetzen.

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