Überspringen
Formnext Awards: Jetzt Favoriten wählen!

Die Finalisten der Formnext Awards 2026 stehen fest. Jetzt fehlt nur noch Ihre Stimme. Denn die Entscheidung liegt nicht nur bei der Jury – sondern auch bei Ihnen! Stimmen Sie für Ihre Favoriten ab, bevor Sie sich in die Messevorbereitung stürzen!

Postprocessing-Neuheiten: Automatisierung, große Bauteile und Prozesssicherheit im Fokus

22.10.2026

Die Zahl der Neuheiten im Bereich Postprocessing hat sich in diesem Jahr deutlich vergrößert und unterstreicht, wie wichtig die Nachbearbeitung für eine produktive und sichere industrielle AM-Fertigung ist. Im Mittelpunkt stehen automatisierte Prozesse, u.a. für große und schwere Bauteile. So erweitern Solukon und Addiblast ihre Lösungen für das Entpulvern, während das Fraunhofer IAPT neue Ansätze für die automatisierte Entfernung von Stützstrukturen und das Entpulvern von PBF-Bauteilen vorstellt. Grenzebach arbeitet auf einer höheren Ebene und vernetzt einzelne Nachbearbeitungsschritte zu herstellerunabhängigen End-to-End-Lösungen. Auch die Prozesssicherheit und die Qualität der Bauteile spielen eine wichtige Rolle: Becker AMS kombiniert Pulverrückgewinnung und Filtration mit der automatisierten Passivierung reaktiver Rückstände. BMF zeigt mit Shot Peening, dass Postprocessing nicht nur eine Notwendigkeit ist, sondern auch Oberflächen gezielt verbessern kann. Für besonders hohe Reinheitsanforderungen bietet Toolcraft zudem umfangreiche Reinigungsmöglichkeiten.

Lesedauer: 10 Minuten

Text: Thomas Masuch

Addiblast: Sehr große und schwere Bauteile entpulvern

Foto: Addiblast
Foto: Addiblast

Addiblast stellt das Mars05 XL vor, ein System für die automatisierte Pulverentfernung außergewöhnlich großer und schwerer AM-Bauteile. Es ist für Baugrößen von bis zu 1.375 × 1.375 × 1.700 mm und Lasten von bis zu 7.000 kg ausgelegt. Das Mars05 XL verfügt über einen geschlossenen Arbeitsraum und kombiniert eine kontrollierte Zweiachsrotation mit Vibration, um loses und festsitzendes Pulver zu lösen. Der Entpulverungsprozess lässt sich an die Geometrie und Komplexität der gedruckten Bauteile anpassen. Das System ist nicht auf ein bestimmtes Metallpulver beschränkt. Dank seiner ATEX-konformen Bauweise eignet es sich sowohl für reaktive als auch für nicht reaktive Pulver. Das entfernte Pulver kann zur weiteren Verarbeitung pneumatisch aus dem System befördert werden.

Addiblast by FerroCrtalic auf der Formnext 2026: Halle 12.0, Stand C12

BMF: Oberflächen reinigen und verfestigen

Foto: BMF
Foto: BMF

Die BMF GmbH hat ein neues Verfahren entwickelt, das AM-Bauteile in einem abgestimmten Prozess reinigt und gleichzeitig die mechanischen Eigenschaften der Oberfläche gezielt beeinflusst. Ein Bestandteil des Verfahrens ist das sogenannte Shot Peening. Dabei treffen kleine Stahlkugeln mit hoher Geschwindigkeit auf die Bauteiloberfläche. Durch die mechanische Einwirkung wird die oberflächennahe Werkstoffzone plastisch verformt. Dabei können Druckeigenspannungen, die sich unter anderem auf die Ermüdungsfestigkeit und das Verschleißverhalten des Bauteils auswirken können, in die Randzone eingebracht werden. Über definierte Strahlparameter lassen sich die Eigenschaften der behandelten Oberfläche gezielt einstellen. Neben geometrischen bzw. topografischen Merkmalen wie der Oberflächenrauheit stehen insbesondere mechanische Eigenschaften der Randzone im Fokus. Durch die kontrollierte Einstellung und Dokumentation relevanter Strahlparameter will BMF definierte Bearbeitungsergebnisse reproduzierbar machen, was insbesondere für industrielle Serienanwendungen von Bedeutung ist. 

BMF auf der Formnext 2026: Halle 11.0, Stand B30

Grenzebach: Automatisiertes und vernetztes Post-Processing

Foto: Grenzebach
Foto: Grenzebach

Aufbauend auf seinen einzelnen Automatisierungslösungen bietet Grenzebach Additive Solutions nun auch herstellerunabhängige End-to-End-Lösungen für die gesamte Nachbearbeitungsumgebung und übernimmt dabei die Gesamtprojektverantwortung. Das Unternehmen kombiniert automatisiertes Be- und Entladen mit Transport-, Puffer- und Nachbearbeitungslösungen. Autonome Transportlösungen übernehmen den Materialfluss zwischen den einzelnen Stationen. „Für eine produktive additive Serienfertigung reicht es nicht, einzelne Maschinen zu optimieren. Entscheidend ist, was zwischen den Maschinen passiert. Unterschiedliche Prozesszeiten, Materialflüsse und Technologien müssen intelligent aufeinander abgestimmt werden“, sagt Dimitrios Livadas, CEO von Grenzebach Additive Solutions. Dafür werden eigene Maschinen und Automatisierungslösungen für das Post-Processing mit bestehenden Anlagen und Lösungen weiterer Hersteller kombiniert. 

Grenzebach Additive Solutions auf der Formnext 2026: Halle 12.0, Stand D61

Fraunhofer IAPT: Kontrollierte Brüche durch Ultraschall

Foto: Fraunhofer IAPT
Foto: Fraunhofer IAPT

Die Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologien IAPT zeigt erstmals ein neues Verfahren zum Entfernen der Stützstrukturen additiv gefertigter Bauteile aus Metall. Das Vorgehen nutzt hochfrequente mechanische Schwingungen im Ultraschallbereich für einen automatisierten Entstützungsprozess. Neben höherer Arbeitssicherheit, Zeit- und Kostenersparnis ermöglicht das neue Verfahren laut IAPT mehr Prozessstabilität, eine bessere Reproduzierbarkeit und eine konsistente Qualität. Das Team des Fraunhofer IAPT kombiniert für die neue Methode bauteilspezifische Schwingungsanregungen mit speziell angepassten Stützstrukturdesigns. Daneben präsentiert das IAPT erstmals eine Lösung zum automatischen Entpulvern für PBF-Verfahren. Dafür wurde ein kollaborativer Roboter (Cobot) mit einem Spannsystem für die Handhabung von Bauteilen und Bauplatten ausgerüstet und eine Zelle für das Entpulvern entwickelt. Die flexible Lösung verbindet Arbeitsschutz mit Kosteneinsparungen, Qualitätssteigerung und einem hohen Grad an Pulverrückgewinnung. 

Fraunhofer IAPT auf der Formnext 2026: Halle 12.0, Stand C51

Solukon: Bis zu 800 kg schwere LPBF-Bauteile entpulvern

Mit der neuen SFM-AT850 erweitert Solukon sein Portfolio um ein automatisiertes Entpulverungssystem für große LPBF-Bauteile. Das neue Entpulverungssystem, das auf der Formnext 2026 seine Weltpremiere feiert, ist mit der SPR-Pathfinder-Software kompatibel. Diese berechnet anhand der CAD-Datei des Bauteils den passenden Bewegungsablauf. Bereits in der Designphase können Anwender so prüfen, ob sich ihre Geometrie entpulvern lässt. Die SFM-AT850 kann Bauteile mit einem Gewicht von bis zu 800 kg (500 kg mehr als das Vorgängermodell SFM-AT800-S) und Abmessungen von bis zu 650 × 650 × 800 mm aufnehmen. Die SFM-AT850 reinigt mit der SPR-Technologie (Smart Powder Recuperation): Programmierbare 2-Achs-Rotation und Schwingungsanregung machen das Pulver fließfähig und lassen es aus den komplexesten Kanälen auslaufen. Für reaktive Materialien wie Aluminium oder Titan kann die SFM-AT850 mit Schutzglas inertisiert werden. Neu sind je zwei zusätzliche Druckluft- und Schutzgasanschlüsse am Drehteller, die zum Beispiel für eine zusätzliche Ausblaslösung am Drehteller genutzt werden können. Für besonders hohe Bauteile ist die SFM-AT850 optional mit einem längeren Schwenkarm verfügbar. Damit können Bauteile mit einer Höhe von bis zu 1.050 mm entpulvert werden. 

Solukon auf der Formnext 2026: Halle 12.0, Stand D58

Bilder: Solukon
Bilder: Solukon
Bilder: Solukon

Bilder: Solukon

Becker AMS: Pulverrückgewinnung, Langzeitfiltration und Passivierung

Foto: Becker AMS
Foto: Becker AMS

Becker Additive Manufacturing Solutions (Becker AMS) präsentiert mit CycleAM eine neue Lösung für das „Process Gas Management“ im metallischen LPBF-Verfahren. Das System verbindet Pulverrückgewinnung, Langzeitfiltration und eine patentierte automatische Passivierungstechnologie. Ein Zyklon separiert Pulver aus dem Prozessgasstrom, bevor dieser die nachgelagerte Filtration erreicht. Das zurückgewonnene Pulver kann anschließend gesiebt und entsprechend den jeweiligen Material- und Qualitätsanforderungen für eine mögliche Wiederverwendung qualifiziert werden. Gleichzeitig reduziert die vorgeschaltete Separation die Belastung der nachfolgenden Filtration. Beim metallischen LPBF entstehen insbesondere bei der Verarbeitung reaktiver Werkstoffe wie Titan feine, reaktive Prozessrückstände und Kondensate, die besondere Anforderungen an Handling, Lagerung und Entsorgung stellen. Mit der patentierten Passivierungstechnologie werden diese Rückstände automatisiert innerhalb des Systems behandelt und in einen nicht reaktiven und nicht explosionsfähigen Zustand überführt. 

Becker AMS auf der Formnext 2026: Halle 12.0, Stand G101

Toolcraft: 550 m2 großer Reinraum

Gerade in sensiblen Branchen wie der Halbleiterindustrie, der Raumfahrt oder der Satellitentechnik können Verunreinigungen im Mikro- und Submikrometerbereich die Funktion empfindlicher Komponenten beeinträchtigen. Toolcraft bietet deshalb ein breites Spektrum an technischen Feinst-Reinigungsverfahren. Dabei kombiniert Toolcraft nasschemische und physikalische Verfahren, die präzise und individuell auf Werkstoffe, Geometrie und Reinheitsanforderungen abgestimmt werden. Die Reinigung erfolgt in einem 550 m2 großen Reinraum der ISO-Klasse 6. Die darin vorhandenen Anlagen sind für Bauteile mit Abmessungen von bis zu 1.500 × 1.700 × 1.500 mm und einem Gewicht von bis zu 1.200 kg ausgelegt. Somit lassen sich auch großformatige und schwere Komponenten unter kontrollierten Reinraumbedingungen reinigen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem die Vakuum-Trockenreinigung mit anschließender Restgasanalyse (RGA), die Nassreinigung im Ultraschallbad sowie Verfahren zur Kühlkanal- und Hochdruckreinigung. Sämtliche Reinigungsprozesse und Prüfverfahren sind laut Toolcraft-Angaben validiert, rückverfolgbar und erfüllen zudem die Anforderungen gemäß ASTM E595.

Toolcraft auf der Formnext 2026: Halle 12.0, Stand C41

Bilder: Toolcraft
Bilder: Toolcraft
Bilder: Toolcraft

Bilder: Toolcraft

Das könnte Sie auch interessieren