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AM gewinnt wieder an Fahrt: Vertrauen, Kapazitäten und neue Wachstumsmärkte treiben 2026

12.10.2026

Nach schwierigen Jahren 2024 und 2025 mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der Additiven Fertigung. Branchenumfragen und Marktsignale zeigen steigende Nachfrage, wobei insbesondere der Verteidigungssektor als Wachstumstreiber gilt.

Lesedauer: 6 Minuten

Text: James Woodcock

Die Frage, die mir für diesen Artikel gestellt wurde, lautete: „Was sagen die Daten aus den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 über die Akzeptanz und Marktlage der industriellen Additiven Fertigung aus?“ Eine Frage, die sich überraschend schwer beantworten ließ.

Die kurze Antwort lautet: nicht besonders viel, denn diese Daten wurden größtenteils noch nicht vollständig zusammengetragen, ausgewertet und veröffentlicht. Da ich jedoch nicht glaubte, dass diese Antwort beim Herausgeber auf Begeisterung stoßen würde, suchte ich nach Indikatoren, die Aufschluss über das erste Halbjahr 2026 und die allgemeine Entwicklung der Branche geben könnten.

Dafür sprach ich mit AMPOWER, dessen jährlicher Marktbericht auf mehr als 300 Interviews entlang der gesamten Wertschöpfungskette basiert, mit CECIMO (Kooperationsausschuss der Werkzeugmaschinenindustrie), das über AM Europe alle sechs Monate die europäische Branche befragt, mit AMUK – Additive Manufacturing UK und Teil der Manufacturing Technologies Association (MTA), das Umfragen unter seinen Mitgliedsunternehmen im Vereinigten Königreich durchführt, sowie mit ADDLIANCE, dem Zusammenschluss nationaler und regionaler AM-Netzwerke, Cluster und Forschungsinstitute in Europa. Die von den verschiedenen Organisationen erhobenen Daten lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: Einerseits rückblickende, gemessene Daten, also Informationen darüber, was tatsächlich verkauft wurde und an wen. Diese liegen naturgemäß mit erheblicher Verzögerung vor. Andererseits gibt es zukunftsorientierte Stimmungsdaten, bei denen Unternehmen nach ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate gefragt werden. Diese Daten stehen bereits heute zur Verfügung. Der Großteil der folgenden Analyse basiert auf dieser zweiten Kategorie.

Es gibt nicht die eine Kennzahl

Es überrascht vielleicht nicht, dass es keine einzelne, eindeutige Kennzahl gibt, die als verlässlicher Indikator für die Branchenentwicklung dienen könnte. Das ist eine Folge der zunehmenden Spezialisierung und damit auch Fragmentierung der Additiven Fertigung. Die Branche lässt sich längst nicht mehr nur in Metall und Polymer oder in Consumer- und Industrieanwendungen unterteilen. Unternehmen spezialisieren sich zunehmend auf einzelne Endmärkte, und ihr wirtschaftlicher Erfolg hängt immer stärker von der Entwicklung dieser jeweiligen Branchen ab. 

Natürlich gibt es zahlreiche Kennzahlen, die als Gradmesser für den Zustand der Industrie herangezogen werden. Tatsächlich gibt es sogar sehr viele davon, und sie unterscheiden sich teils erheblich. Einige Analysen basieren auf Interviews mit Führungskräften, andere auf der Auswertung von Warencodes aus internationalen Handelssystemen, um Lieferströme nachzuverfolgen, wieder andere auf Mitgliederbefragungen. Welche Daten erhoben werden, wie sie erhoben werden, welche Analyseverfahren angewendet werden und wie Antworten gewichtet werden, beeinflusst die Berechnung von Marktgrößen und jährlichen Wachstumsraten (CAGR) erheblich. Für sich genommen liefern diese Kennzahlen jeweils nur einen begrenzten Einblick. Da sie jedoch auf teilweise überschneidenden Befragungsgruppen beruhen, entsteht in ihrer Gesamtheit ein nützliches Bild von Trends und Erwartungen, auch wenn sie keine unumstößlichen Fakten liefern. 

Um ein wirklich belastbares Gesamtbild der Branche zu erhalten, muss man daher auf einer detaillierteren Ebene ansetzen und die einzelnen Puzzleteile zu einem größeren Ganzen zusammensetzen. Dabei lassen sich einige konsistente Signale erkennen, die einen guten Eindruck davon vermitteln, wie sich das Jahr 2026 bislang entwickelt hat und was für die kommenden sechs Monate erwartet wird. Dies gilt insbesondere für die Märkte in Europa und Nordamerika. Weniger transparent sind derzeit die Entwicklungen in Asien und anderen Weltregionen.

Auftragsbücher haben immer recht

Mehrere der rund 30 Technologieanbieter im International Advanced Manufacturing 3D Hub, einem spanischen AM-Konsortium, hatten bereits innerhalb der ersten sieben Monate des Jahres 2026 ihre gesamten Jahresumsatzziele erreicht. Das berichtet David Adrover Iglesias, der den Hub neben seiner Tätigkeit für ADDLIANCE leitet. Er betont ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt. Auch Josh Dugdale von AMUK berichtet von einem britischen Anbieter von Polymeranlagen, der bereits im September sein gesamtes Jahresziel für Maschinenverkäufe erreicht hatte. Dies geschah nach einem sehr schwierigen Jahr 2025. Selbst bei dieser kleinen Stichprobe zeigt sich, dass mehrere OEMs im Jahr 2026 eine deutliche Erholung verzeichnen konnten. Natürlich handelt es sich dabei um selbst berichtete Verkaufszahlen. Informationen darüber, ob die jeweiligen Ziele höher, niedriger oder auf dem Niveau der Vorjahre lagen, liegen nicht vor. 

Auch das Messegeschehen vermittelt ein ähnliches Bild, allerdings mit differenzierter Aussagekraft. AMUK berichtet von einem höheren Geschäftsvolumen auf der MACH, der britischen Fachmesse für Fertigungstechnologien, als üblicherweise bei dieser Veranstaltung erzielt wird. Die Zahl der Aussteller blieb stabil, während die Besucherzahlen leicht über denen früherer Ausgaben lagen. Allerdings betrifft dies die Fertigungsindustrie insgesamt und nicht speziell die Additive Fertigung. Zudem belegten die Aussteller weniger Fläche als zuvor. Auch die Formnext sendet ein ähnliches Signal, wenn auch auf andere Weise: Die Zahl der Aussteller blieb nahezu unverändert, die Gesamtfläche der Veranstaltung wurde jedoch reduziert. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen weniger Standfläche buchen, aber nicht weniger Unternehmen teilnehmen.

Daten hinken Stimmungen hinterher

Oft wird gesagt, dass sich Länder gewissermaßen selbst in eine Rezession hineinreden. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Wahrnehmungen und Stimmungen den tatsächlichen Wirtschaftsdaten voraus- oder hinterherlaufen können. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich auch beim Vergleich von Marktdaten und Wahrnehmung der Additiven Fertigung. 

Daraus ergibt sich ein Bild, in dem nicht nur über die qualitative Entwicklung der Branche, sondern auch über den zeitlichen Verlauf Uneinigkeit herrscht.

AMPOWER registrierte für 2024 faktisch eine Stagnation und für 2025 lediglich ein moderates Wachstum von 5,6 Prozent. Die Erfahrungen von AMUK zeichnen jedoch ein anderes Bild. Dort wird 2025 als das schwierigere Jahr wahrgenommen, während seit Beginn des Jahres 2026 eine deutliche Belebung der Geschäftstätigkeit festgestellt wird. Auch ADDLIANCE beschreibt das laufende Jahr ähnlich positiv.

Matthias Schmidt-Lehr von AMPOWER bezeichnete die vergangenen beiden Jahre im Gespräch, also abseits der veröffentlichten Daten, als „weitgehend von Stagnation geprägt.“

Dies könnte zum Teil auf unterschiedliche Betrachtungswinkel zurückzuführen sein. AMPOWER betrachtet den Markt stärker aus globaler Perspektive, während die Daten von AMUK und ADDLIANCE eher regionale Entwicklungen widerspiegeln. Eine weitere Ursache könnte die zeitliche Verzögerung zwischen verfügbaren Marktdaten und den Erwartungen der Marktteilnehmer sein. Dieses Muster lässt sich auch bei Fachmessen beobachten: Die Entwicklung einer Messe ist häufig das Ergebnis von Entscheidungen, die Unternehmen bereits ein Jahr zuvor getroffen haben.

Woher kommt das Wachstum?

Auch wenn in vielen Detailfragen kein vollständiger Konsens besteht, zeichnet sich doch ein klares Bild ab: 2024 und 2025 waren schwierig, 2026 entwickelt sich deutlich positiver. Der wichtigste Treiber dieser positiven Entwicklung ist, wenig überraschend, die Verteidigungsindustrie. Verteidigungsorganisationen setzen zunehmend auf Additive Fertigung, um die Ersatzteilversorgung älterer Systeme sicherzustellen. Gleichzeitig verlagert sich die nächste Generation militärischer Technologien weg von wenigen hochpreisigen Systemen hin zu Drohnen in der Luft, zu Wasser und an Land, zu Hyperschalltechnologien und Raketensystemen. Alles Bereiche, in denen die Additive Fertigung eine wichtige Rolle spielen kann.

AMPOWER berichtet, dass die Umsätze mit Ausrüstung für Verteidigung und Raumfahrt in den vergangenen vier Jahren jährlich um mehr als 20 Prozent gewachsen sind. Bis 2030 wird ein weiteres durchschnittliches Wachstum von knapp 19 Prozent pro Jahr erwartet. CECIMO nahm in seiner Frühjahrsumfrage 2026 erstmals die Bereiche Verteidigung, Energie und Konsumgüter als eigene Kategorien auf. Alle drei zeigten eine positive Stimmungslage. Dabei profitiert die gesamte AM-Branche vom steigenden Bedarf in der Verteidigung, wenn auch zeitversetzt. Während zunächst Metallverfahren besonders gefragt waren, wächst mit der zunehmenden Bedeutung von Drohnen inzwischen auch das Interesse an polymerbasierten Verfahren.

Die Automobilindustrie bildet weiterhin einen Ausreißer nach unten: CECIMO weist für diesen Bereich einen Wert von -17 aus, während Luft- und Raumfahrt bei +67 liegt. Dabei handelt es sich um sogenannte Netto-Salden. Sie ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Anteil der Befragten, die in den kommenden sechs Monaten ein Wachstum erwarten, und jenen, die einen Rückgang prognostizieren. Ein positiver Wert bedeutet also lediglich, dass mehr Unternehmen mit Wachstum als mit Rückgang rechnen. Er bedeutet nicht, dass der Markt tatsächlich um diesen Prozentsatz wächst. Angesichts der aktuellen Lage der europäischen Automobilindustrie überrascht dieses Ergebnis allerdings kaum.

Also alles auf Verteidigung setzen?

Interessanterweise nein. Im Gegenteil: Die Entwicklung spricht für eine zunehmende Reife der Branche. Die OEMs richten ihre Strategien für 2027 inzwischen auf ein breiteres Spektrum von Zielmärkten aus. Bei Medizin-, Dental-, Werkzeug- und Formenbauanwendungen stieg der von CECIMO ermittelte Stimmungswert auf +47, nachdem er bei der vorherigen Erhebung noch bei +9 gelegen hatte. Der Maschinenbau verbesserte sich von +9 auf +33, während Chemie und Pharma von -2 auf +45 kletterten. Wieder handelt es sich dabei um Erwartungen und nicht um tatsächliche Verkaufszahlen.

Adrover Iglesias beobachtet dieselbe Entwicklung aus der Praxis heraus. Da die Budgets in diesem Jahr wieder verlässlicher seien, hätten Technologieanbieter ihre Marketingaktivitäten intensiviert, insbesondere in ausgewählten Zielbranchen wie Medizintechnik, Gesundheitswesen, Drohnen, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. Seine Begründung dafür ist bemerkenswert nüchtern: Die Unternehmen möchten ihre Zielmärkte für das kommende Jahr breiter aufstellen. Sollte der Verteidigungsboom nachlassen oder sich verlagern, wollen sie nicht von einem einzelnen Markt abhängig sein.

Die aktuelle Verteidigungswelle wird nicht dauerhaft anhalten, und nicht jeder Anbieter wird davon profitieren. Deshalb ist die stärkere Orientierung auf andere Industrien nur logisch. Zugleich zeigt sich hier eine Form der strategischen Vorausplanung, für die die Branche in der Vergangenheit nicht immer bekannt war.

Das Wachstum findet im günstigen Marktsegment statt

Hier liegt der Teil der Geschichte, der die Branche nachdenklich stimmen sollte.

AMPOWER berücksichtigt in seinem Bericht 2026 erstmals Desktop-Polymerdrucker mit Preisen unter 10.000 Euro. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Dieses Segment wächst seit Jahren mit mehr als 30 Prozent pro Jahr, während industrielle Systeme lediglich Zuwächse von sechs bis acht Prozent erzielen. Bereits 2025 lagen die Umsätze mit Desktop-Systemen nahezu auf dem Niveau des gesamten Umsatzes industrieller Metall- und Polymeranlagen zusammengenommen. AMPOWER schätzt zudem, dass allein Bambu Lab inzwischen einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro erzielt. 

Noch aussagekräftiger als die Zahlen selbst ist die Schlussfolgerung des Berichts: „Industriekunden entscheiden sich zunehmend für Investitionen in kostengünstige Drucker statt in klassische Industriesysteme, die ein Vielfaches kosten, in bestimmten Anwendungen aber nur einen begrenzten oder gar keinen Zusatznutzen bieten.“ Der Bericht bezeichnet die Einstufung solcher Maschinen als reine Consumer- oder Prosumer-Produkte als irreführend und verweist auf Druckfarmen mit mehreren Tausend Desktop-Druckern, die inzwischen industrielle Produktionsaufträge bearbeiten.

Ein Beispiel von AMUK passt dazu: Ein britischer Dienstleister gewann einen Auftrag aus dem Verteidigungsbereich und erfüllt diesen mit FDM-Systemen auf Desktop-Niveau. Nichts Außergewöhnliches, nichts bis ins letzte Detail qualifiziert, aber „gut genug“ und in der passenden Größenordnung.

Wer mit Ersatzteilversorgung und Instandhaltung zu tun hat, versteht die Logik dahinter. Ein Drehknopf im Cockpit eines vierzig Jahre alten Flugzeugs bestand bei seiner Herstellung aus Kunststoff und muss auch heute nur wieder aus Kunststoff bestehen. Dafür ist kein Titan-Powder Bed Fusion erforderlich.

Auch die Investitionsdaten von CECIMO weisen in dieselbe Richtung: Die stärksten Investitionsabsichten bestehen bei Materialien und Rohstoffen, die geringsten bei Forschung und Entwicklung. Wachstum wird vor allem bei Serienbauteilen und Prototypen erwartet. Eine Branche, die vor allem in Produktionskapazität statt in neue Entwicklungen investiert, signalisiert damit, dass sie die notwendigen Prozesse bereits weitgehend besitzt.

Günstige Systeme stärken chinesische OEMs

Laut AMPOWER stammen mehr als 90 Prozent dieser Desktop-Systeme aus China. Die Kunden verteilen sich hingegen relativ gleichmäßig auf Europa, die USA und den asiatisch-pazifischen Raum. Im industriellen Segment sieht das Bild für den Westen günstiger aus. Mehr als 80 Prozent aller industriellen AM-Anlagen stammen von Unternehmen mit Hauptsitz in den USA, China oder Deutschland. Chinesische OEMs verkaufen ihre Maschinen bislang überwiegend im heimischen Markt und in angrenzenden Regionen.

Die Entwicklung ist dennoch eindeutig. Die Zahl der Anbieter von Laser Powder Bed Fusion stieg von 96 im Jahr 2024 auf 107 im Jahr 2025. Besonders in China kamen zahlreiche neue Marktteilnehmer hinzu, von Start-ups bis hin zu großen etablierten Industriekonzernen. Die zehn größten OEMs im Bereich metallischer PBF halten inzwischen 78,3 Prozent Marktanteil. Im Vorjahr waren es noch 80 Prozent.

Damit findet das stärkste Wachstum in einem Marktsegment statt, das Europa größtenteils gar nicht bedient. Gleichzeitig wird das Segment, in dem Europa stark vertreten ist, zunehmend wettbewerbsintensiver. Die Verbreitung der Technologie in Europa und die industrielle Wertschöpfung Europas entwickeln sich also nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung.

Technologie ist nicht die Antwort

CECIMO fragte die Teilnehmer seiner Umfrage, welche einzelne Veränderung ihre AM-Aktivitäten am stärksten fördern würde. Die häufigste Antwort war weder eine neue Technologie noch ein neues Material oder Verfahren. An erster Stelle stand eine stärkere Industriepolitik der Europäischen Union für den AM-Sektor. An zweiter Stelle folgte ein leichterer Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Adrover Iglesias formulierte den Grund für diese Stimmung sehr deutlich: „Im vergangenen Jahr war die Vorstellung, dass China und die USA weiter voraus sind, noch ein Gefühl. In diesem Jahr ist es keine Vermutung mehr, sondern eine echte Sorge.“

Hinzu kommt ein weiteres, eher unspektakuläres Problem. Europäische Fördergelder, die früher in Robotik, Photonik und Additive Fertigung flossen, werden zunehmend in KI-Projekte umgeleitet. Dadurch wächst der Druck, die Additive Fertigung weiterhin im Fokus von Investoren und politischen Entscheidungsträgern zu halten.

Auch das Dauerthema „Fachkräfte, Ausbildung und Recruiting“ bleibt relevant. CECIMO ermittelte einen Saldo von -44 bei den Unternehmen, die erklären, dass der Mangel an qualifizierten Fachkräften ihre Aktivitäten beeinträchtigt. 36 Prozent der Befragten geben an, Schwierigkeiten bei der Einstellung geeigneter Mitarbeiter zu haben. Nachdem Technologieanbieter über Jahre nur schwer für Hochschulprogramme und Ausbildungsinitiativen zu gewinnen waren, habe sich die Branche in diesem Jahr nahezu von selbst für das Thema mobilisiert, berichtet Adrover Iglesias. Er führt dies auf die wieder verfügbaren Budgets zurück. Vermutlich spielt aber auch eine Rolle, dass der Fachkräftemangel inzwischen spürbare wirtschaftliche Kosten verursacht.

Die Erwartungen für die kommenden Monate

Damit kommen wir zu den nächsten sechs Monaten, für die sich die Stimmungsindikatoren deutlich verbessert haben. Die Erwartungen für Maschinenverkäufe in Exportmärkte stiegen von -4 auf +35. Exportdienstleistungen verbesserten sich von +4 auf +71. Die Erwartungen für Produkte und gefertigte Bauteile im Inland verdoppelten sich von +33 auf +66. Der AM Confidence Index stieg auf 62 Punkte, während der Indikator für die allgemeine Geschäftsentwicklung bei +38 liegt.

Zugleich verfügt die Branche noch über erhebliche freie Kapazitäten. Die mediane Auslastung der befragten Unternehmen liegt bei lediglich 63 Prozent. Gleichzeitig erwarten die Befragten einen weiteren Anstieg der Auslastung. Eine Branche, die erst zu knapp zwei Dritteln ausgelastet ist und gleichzeitig deutlich steigende Exporterwartungen meldet, hat Spielraum, um weiteres Wachstum aufzunehmen.

Darüber hinaus gibt es zwei Anwendungsbereiche, die besonders aufmerksam beobachtet werden sollten. Der Energiesektor ist dabei der naheliegendste. Schmidt-Lehr weist darauf hin, dass Directed Energy Deposition (DED) jahrelang im Schatten der Pulverbettverfahren stand, während Forschungs- und Entwicklungsteams die Qualifizierung entsprechender Prozesse vorantrieben. Nun verfügen diese Teams über die finanziellen Mittel und personellen Ressourcen, um sich der nächsten Technologiegeneration zuzuwenden. Zu den vielversprechenden Anwendungen zählen unter anderem Gasturbinen.

Der zweite Bereich sind hochwertige Elektronikprodukte. AMPOWER nennt unter anderem das Gehäuse der Apple Watch als Beispiel für AM-Anwendungen in diesem Segment. Schmidt-Lehr berichtet zudem, dass die prognostizierten Bestellungen großer Elektronikhersteller inzwischen nicht mehr von Hunderten, sondern von Tausenden Maschinen ausgehen.

Gleiche Arbeit, andere Begriffe

Vor drei Jahren war Nachhaltigkeit das dominierende Thema der Branche. An jedem Messestand wurde darüber gesprochen, jede Podiumsdiskussion beschäftigte sich damit, und ein erheblicher Teil meiner eigenen Arbeit bestand darin, Unternehmen bei der Kommunikation ihrer Nachhaltigkeitsstrategien zu unterstützen. Heute spricht kaum noch jemand darüber. Die Arbeit selbst hat jedoch nicht aufgehört. Nur die Sprache hat sich verändert. Statt Nachhaltigkeit stehen heute Begriffe wie Ressourceneffizienz, resiliente Lieferketten oder industrielle Souveränität im Mittelpunkt. Die Prozesse sind dieselben. Die Vorteile sind dieselben. Nur die Begriffe haben sich geändert.

Am Ende nun zurück zur ursprünglichen Frage: Was verraten die Daten aus dem ersten Halbjahr 2026 über die Entwicklung und Etablierung der industriellen Additiven Fertigung?

Die Signalezeigen klar nach oben, und die Zuversicht hinter dieser Entwicklung scheint eindeutig zu sein. Investiert wird derzeit eher in Produktionskapazität als in Innovationen. Das stärkste Wachstum findet in Marktsegmenten statt, in denen Europa traditionell nur begrenzt vertreten ist und die größten Forderungen der Branche sind inzwischen nicht mehr technischer Natur.

Ob diese Einschätzung Bestand hat, wird sich Anfang kommenden Jahres zeigen, wenn die weiteren Marktdaten vorliegen und ein Abgleich mit den heutigen Erwartungen möglich ist.

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