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Ungleichmäßiges Wachstum einer reifenden Branche

27.04.2026

Auch wenn die Stimmung im vergangenen Jahr in der AM-Industrie eher verhalten war, haben die Umsätze 2025 signifikant zugelegt, so die aktuellen Zahlen der führenden Marktforscher.

Lesedauer: 2 Minuten

Autor: Thomas Masuch

Die Marktforschungsunternehmen Wohlers Associates und Ampower haben in ihren aktuellen Jahresreports Zuwächse von rund 11 bzw. 6 Prozent verkündet. Die Gründe für diese Entwicklung sind sehr vielschichtig. Wichtige Treiber waren u.a. der chinesische AM-Markt sowie die Verteidigungsindustrie. Für die kommenden Jahre sind die Prognosen noch einmal deutlich optimistischer – das deckt sich auch mit den Ergebnissen der aktuellen Frühjahrsumfrage der Arbeitsgemeinschaft AM im VDMA. Ein enormes Wachstum verzeichnet zudem der Absatz von Desktop-3D-Druckern, die auch immer stärker im industriellen Umfeld zum Einsatz kommen.

Bedeutender Schritt für die AM-Industrie: Die Gehäuse der Apple Watch Ultra 3 und der Apple Watch Series 11 werden aus Titan 3D-gedruckt. Bild: Apple
Bedeutender Schritt für die AM-Industrie: Die Gehäuse der Apple Watch Ultra 3 und der Apple Watch Series 11 werden aus Titan 3D-gedruckt. Bild: Apple

Gesamtmarkt stabil

Laut Wohlers Report 2026, herausgegeben von Wohlers Associates, powered by ASTM International, sind im vergangenen Jahr die weltweiten AM-Umsätze um 10,9 % auf rund 21 Mrd. Euro gewachsen. Die Hamburger Experten von Ampower vermeldeten ein etwas geringeres Wachstum von 6 Prozent auf 11 Milliarden Euro (Metall- und Polymerfertigung) und prognostizieren für die kommenden fünf Jahre einen jährlichen Anstieg (CAGR) von 14 %. „Erwartete Treiber sind vor allem die gestiegene Nachfrage nach Defense sowie Aerospace Programme, die langfristig geplant sind. Hinzu kommt der Durchbruch im Consumer-Bereich (Beispiel Zellerfeld, Apple). Diese Märkte waren zuvor unterrepräsentiert und greifen nun in die gestiegenen Wachstumserwartungen ein“, so Matthias Schmidt-Lehr, Gründer und Geschäftsführer von Ampower.

Wohlers Report: „Reifende Branche“

In der AM-Prozesskette zeigten die Druckdienstleistungen mit einem Plus von 15,5 % die größte Zunahme und machen inzwischen einen Marktanteil von 48 % aus, so Wohlers Associates. Das ist deutlich mehr als Systemverkauf und -wartung (26 %), Materialien (20 %) und Software (6 %). Das recht geringe Wachstum beim Umsatz mit AM-Systemen von nur um 3,6 % führt Wohlers Associates darauf zurück, dass in der „reifende Branche“ die bestehenden Systeme immer besser ausgelastet werden, während sich die Wertschöpfung immer stärker auf die Produktion und Dienstleistungen konzentriert.

Jährlicher Umsatz des AM-Markts, aufgeschlüsselt nach Segmenten. Bild: Wohlers Associates
Jährlicher Umsatz des AM-Markts, aufgeschlüsselt nach Segmenten. Bild: Wohlers Associates

Der Wohlers Report 2026 sieht auch einen deutlichen Unterschied in regionalen Trends: Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum verzeichneten ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 19,8 %, verglichen mit 12,6 % in Amerika und 9,0 % in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Das Fazit von Mahdi Jamshid, Director of Market Intelligence bei Wohlers Associates: „Das Wachstum hält an, ist jedoch ungleichmäßiger, stärker regional geprägt und enger mit den tatsächlichen Produktionsergebnissen verbunden.“

Ampower: Defence und Konsumgüter treiben den Markt an

Einer der wichtigsten Treiber des weltweiten AM-Marktes war laut Ampower-Report 2026 die Verteidigungsbranche, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und immer stärker auch AM als Produktionsmethode entdeckt. „Weltweit lösen Streitkräfte mit AM Herausforderungen in der Lieferkette und bei der Ersatzteilversorgung, während militärische OEMs und Start-ups die Technologie für neueste Raketen, Hyperschallflugkörper, Ersatzteile für Schiffsgussteile und Drohnen nutzen“, so die Experten von Ampower.

Technologisch bleibt PBF die umsatzstärkste AM-Technologie im Metallbereich und erzielt einen Anlagenumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Das entspricht laut Ampower einem Marktanteil von über 80 %. Da verwundert es nicht, dass immer mehr Anbieter auf den Markt drängen: Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Hersteller von PBF-Anlagen erneut an, von 96 im Jahr 2024 auf 107. Insbesondere in China war ein Anstieg neuer Marktteilnehmer zu verzeichnen. Gleichzeitig erzielen die Top-10 der PBF-OEMs 78 % des Umsatzes in diesem Sektor. Das ist viel, aber etwas weniger die 80 80 % im Jahr 2024 darstellt. Zu den Top-10-Unternehmen gehören beispielsweise EOS, Nikon SLM Solutions, Colibrium Additive sowie chinesische OEMs wie BLT oder Farsoon.

Globaler AM-Markt für Metall- und Polymerfertigung 2020–2025 und Prognose bis 2030 in Mrd. Euro. Bild: Ampower
Globaler AM-Markt für Metall- und Polymerfertigung 2020–2025 und Prognose bis 2030 in Mrd. Euro. Bild: Ampower

Desktop-Drucker umsatzstark wie Industrielle Anlagen

Ampower hat in seinem Report erstmals Desktop-Polymer-Drucker unter 10.000 Euro analysiert: Dieses Segment verzeichnete in jüngster Zeit ein Wachstum von über 30 %, während der Absatz von Industrieanlagen im Jahresvergleich um 6 bis 8 % stieg. „Das Desktop-Segment gewinnt zunehmend an Bedeutung, die gängige Einteilung in „Consumer“ und „Prosumer“ trifft nicht mehr zu.“ Damit konnten die Umsätze mit Desktop-Druckern fast zum Niveau der industriellen Metall- und Polymer-AM-Anlagen zusammen aufschließen. Ein Beispiel für dieses enorme Wachstum ist Bambulab, das einen Umsatz von über 1 Mrd. Euro prognostiziert.

VDMA-Ausblick: Kurzfristig verhalten, mittelfristig optimistisch

Positive Impulse in der AM-Branche lassen sich auch aus der Frühjahrsumfrage 2026 des VDMA ablesen: „Nach einer Phase der Ernüchterung stabilisiert sich die Additive-Manufacturing-Branche spürbar“, so Dr. Markus Heering, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing (AG AM) im VDMA. Demnach haben die Unternehmen deutlich positivere Erwartungen für die kommenden zwei Jahre. 

Die Geschäftslage hat sich für die Mitgliedsunternehmen der AG AM im VDMA gegenüber dem Herbst 2025 leicht verbessert: Die Zahl der Unternehmen mit rückläufigen Umsätzen geht weiter zurück (aktuelle 19 Prozent), während 49 Prozent der Unternehmen eine positive Geschäftsentwicklung vermelden. Insbesondere mittelfristig rechnen die Unternehmen mit einer spürbaren Belebung.

Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerbsdruck weiter. 52 Prozent der Unternehmen sehen chinesische Anbieter als Wettbewerber – ein klarer Anstieg gegenüber früheren Erhebungen. Auf der anderen Seite sinkt der Anteil der Unternehmen, die deutsche Wettbewerber als besonders relevant einstufen, von 67 auf 59 Prozent. 

Die Ergebnisse der Umfrage machen auch deutlich, dass die Bedeutung der additiven Serienfertigung immer weiter zunimmt. So gaben die Unternehmen erstmals an, dass Serienprodukte den größten Anteil additiv gefertigter Bauteile ausmachen.

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