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Die passende Nische gefunden

21.08.2026

Das Hamburger Unternehmen Liqtra setzt bei seinen Sondermaschinen für die additive Serienfertigung die eigenen Extrusionstechnologien ein.

Lesedauer: 6 Minuten

Text: Thomas Masuch

Auch wenn der Automobilbau insbesondere in Europa gerade herausfordernde Zeiten durchlebt, ist die Branche für Liqtra mit seinen additiven Lösungen für die Serienproduktion ein attraktiver Markt: „Bei uns läuft es derzeit sehr gut“, berichtet Co-Founder und technischer Manager Joscha Krieglsteiner. „Gegen den allgemeinen Trend sind wir auch durch Projekte im Automobilbau in der jüngeren Vergangenheit stetig gewachsen und haben noch zahlreiche neue Projekte in der Pipeline“, freut er sich. Heute beschäftigt das 2019 gegründete Unternehmen 14 Mitarbeiter – die meisten davon im technischen Bereich. 

Der Automobilsektor ist für Liqtra der wichtigste Markt. Hier finden sich große Stückzahlen mit einem hohen Materialdurchsatz wie kaum irgendwo anders. „Die Projekte für die Additive Fertigung insbesondere in der Serienfertigung sind da, oftmals fehlt nur die technische Kompetenz für die Umsetzung“, so Krieglsteiner. Kunden sind in der Regel Tier-1-Zulieferer, denn diese hätten die Freiheit zu entscheiden, ob Innovationen umgesetzt werden.

Für den 3D-Druck eines rund einen Meter hohen Strukturbauteils für den Tier-1-Zulieferer AFT Automotive hat Liqtra eine Pellet-3D-Druck-Anlage entwickelt. Bild: Liqtra
Für den 3D-Druck eines rund einen Meter hohen Strukturbauteils für den Tier-1-Zulieferer AFT Automotive hat Liqtra eine Pellet-3D-Druck-Anlage entwickelt. Bild: Liqtra

Technologieanbieter und Ingenieurbüro

Die erfolgreiche Unternehmensentwicklung ist auch eine Folge der Flexibilität, die sich die Gründer stets bewahrt haben. „Wir haben mit einer technischen Idee für hochproduktive Materialextrusion angefangen und diese in Maschinen gepackt“, blickt Krieglsteiner zurück. „Allerdings hat sich auch vor vier Jahren schon abgezeichnet, dass 3D-Drucker von der Stange im Filament-Bereich ein schwieriges Geschäft sind“, vor allem aufgrund des Preiswettbewerbs mit chinesischen Anbietern. „Man muss deshalb nach Nischen suchen, die für Unternehmen aus China schwieriger erreichbar sind.“ Für Liqtra ist diese Nische eine Mischung aus Technologieanbieter und kreativem Ingenieurbüro für die Additive Fertigung: „Wir sind ein Partner für die Entwicklung technisch anspruchsvoller Sonderlösungen.“ Bei der recht flexiblen Unternehmensentwicklung kam dem jungen Unternehmen auch zugute, dass die Gründer stets selbstbestimmt waren und sich nicht durch externe Einflüsse wie beispielsweise Vorgaben von VC-Investoren leiten lassen mussten. Sie haben sich damit die nötige Freiheit behalten, um ihr Geschäftskonzept entsprechend der Marktsituation zu entwickeln. „In Anbetracht der wirtschaftlichen Umstände war das auch der passende Weg“, so Krieglsteiner. Denn die Zeiten, in denen Vielseitigkeit ein wesentliches Verkaufsargument für 3D-Drucker war, sind vorüber. „Mit der zunehmenden Reife von Serienanwendungen kommt seit einigen Jahren das Thema Customization auf den Plan. Serienfertigung benötigt keine große Vielseitigkeit, sondern profitiert von Performance-Steigerungen und Kostenvorteilen, die durch die anwendungsspezifische Optimierung einer Maschine erreicht werden.“ 

Jeweils eine Standardmaschine der FX-Serie für die Verarbeitung von Filament (FFF) und der PX-Serie für die Verarbeitung von Granulat (FGF). Bild: Liqtra
Jeweils eine Standardmaschine der FX-Serie für die Verarbeitung von Filament (FFF) und der PX-Serie für die Verarbeitung von Granulat (FGF). Bild: Liqtra

Wirtschaftliche Stückzahlgrenze verschoben

Bei der Entwicklung der Sondermaschinen geht Liqtra immer von einer konkreten Anwendung aus. „Wir brauchen einen Use Case – am besten große Teile und große Stückzahlen“, erklärt Krieglsteiner. Dann werden für jeden passenden Anwendungsfall neue Maschinen gebaut – bei denen aber Kerntechnologien und -komponenten aus den Bereichen Extrusion und Software wiederkehrend zum Einsatz kommen. Angepasst werden hingegen Merkmale aus dem Bereich des klassischen Maschinenbaus, etwa die Bauraumgröße, die Anzahl der Druckköpfe, der Einbau zusätzlicher Achsen und die Prozessautomatisierung. Die Sondermaschinen (oder Produktionsmodule) werden dann in bestehende Produktionsstraßen integriert.

Trotz dieses individuellen Ansatzes hat Liqtra auch Standardmaschinen im Angebot: die FX-Serie (Filament-Druck) und die PX-Serie (Pellet-Druck). „Bei den Serienanwendungen fungieren diese in der Regel als Basis, um Bauteil und Prozess gemeinsam mit dem Kunden zu optimieren und Spezifikationen der maßgeschneiderten Anlage für die Serienproduktion abzuleiten“, so Krieglsteiner. Die Vorserienproduktion und die Qualifizierung starten bereits auf diesen Maschinen. „Unsere Standardmaschinen haben in diesem Fall eine Enabler-Funktion. Der Sprung zur Sondermaschine für die Serie ist aber nur für sehr hohe Stückzahlen sinnvoll.“ Der Sondermaschinenbau für die Serie bedeutet dann, beispielsweise Kinematik-Achsen zu skalieren oder mehrere Drucksysteme in einer Maschine zu verbauen. „Wir erreichen dadurch mit vergleichsweise geringem Aufwand eine Erhöhung der Produktivität und eine Reduzierung der Bauteilkosten. Die Grenze der Stückzahlen, bis zu der 3D-Druck wirtschaftlich sinnvoll ist, verschieben wir durch diesen Ansatz weiter nach oben.“ Auch wenn bei manchen Projekten mehr als ein Jahr Entwicklungsarbeit zu leisten ist, macht sich der Aufwand laut Krieglsteiner oftmals auch schon dann bezahlt, wenn 10 Prozent bei den Bauteilkosten gespart werden.

Der Druckkopf VPX-1 mit patentierter Ventildüsentechnologie ist für den FGF-Prozess optimiert und bietet Freiheitsgrade wie beim FFF: hier als Standarddruckkopf mit Kühlung.
Der Druckkopf VPX-1 mit patentierter Ventildüsentechnologie ist für den FGF-Prozess optimiert und bietet Freiheitsgrade wie beim FFF: hier als Standarddruckkopf mit Kühlung.
Und hier als Teil einer Sonderlösung mit zwei Druckköpfen in einem Endeffektor. Bilder: Liqtra
Und hier als Teil einer Sonderlösung mit zwei Druckköpfen in einem Endeffektor. Bilder: Liqtra

Serienfertigung für die Automobilbranche

Der Pellet-Druck kommt bei Liqtra insbesondere zur Herstellung großformatiger Bauteile in hoher Stückzahl zum Einsatz, bei denen das Kunststoffgranulat seine Kostenvorteile gegenüber FDM ausspielen kann. So konnte Liqtra ein Projekt umsetzen, das in der Automobilindustrie Schlagzeilen gemacht hat: Für den 3D-Druck eines rund einen Meter hohen Strukturbauteils für den Tier-1-Zulieferer AFT Automotive wurde eine Pellet-3D-Druck-Anlage entwickelt. Schließlich konnten bereits jetzt mehrere Vorteile erzielt werden: zum einen eine Kosteneinsparung durch geringeren Montageaufwand der additiven Integralbauweise und zum anderen ihr Leichtbauvorteil durch das Einsparen von Verbindungselementen. 

Dass dieses Projekt eine spezifische Anlage erforderte und nicht mit einem 3D-Drucker von der Stange umgesetzt werden konnte, liegt für Krieglsteiner auch in der technischen Besonderheit des Pellet-Drucks: „In der Regel können Granulatdrucker den Druck nicht sauber unterbrechen, um zum Beispiel über Freiräume zu fahren. Dann entstehen meist Fäden.“ Oftmals wird dieses Manko damit umgangen, dass in Spiralformen gedruckt wird, sodass der Drucker nicht absetzen muss. Liqtra hat dieses Problem mit einer eigens entwickelten und patentierten Düse gelöst, die laut Krieglsteiner den Druck sauber stoppen und auch wieder aufnehmen kann. Dadurch sind die Granulat-basierten Prozesse von Liqtra nicht auf Spiralvasen bzw. Endlosextrusion beschränkt, sondern ermöglichen Freiheiten, die bislang nur in Filament-basierten Prozessen möglich waren. Für die Anwendungsfälle der Kunden sind somit bis zu 30 Prozent Materialeinsparungen möglich. 

Weitere Informationen

liqtra.de

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