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Trends in der Orthopädietechnik

„Personal ist oft der Flaschenhals“

28.04.2026

Mit dem Vertrieb spezieller Soft- und Hardware unterstützt Antonius Köster das Wachstum der Additiven Fertigung in der Orthopädietechnik. Mit gezielten Schulungen will er die Zahl der Anwender weiter steigern und vor allem den Nachwuchs fördern.

Lesedauer: 2 Minuten

Autor: Thomas Masuch

Antonius Köster spürte den ersten kleinen AM-Boom in der Orthopädietechnik bereits vor etwa acht Jahren, als immer mehr Early Adopter über ihre Erfolge sprachen. „Inzwischen hat die Technologie ihr Versuchsstadium längst verlassen und ist erwachsen geworden. Anwender haben die Effizienz vom 3D Scannen über das digitale Modellieren bis hin zum 3D-Druck wahrgenommen und erkannt, dass man Patienten mit Orthesen oder Prothesen versorgen kann, die man so früher gar nicht herstellen konnte.“ Dabei geht es vorrangig um patientenspezifische Versorgungen – also keine Standardlösungen von der Stange.

Scannen und Daten sind die Basis für die weiteren Produktionsschritte. Bild: Thomas Masuch
Scannen und Daten sind die Basis für die weiteren Produktionsschritte. Bild: Thomas Masuch

Der Geschäftsführer der Antonius Köster GmbH & Co. KG bietet bereits seit über 25 Jahren Soft- und Hardwarelösungen für digitale Fertigung an und hat vor 18 Jahren seine ersten Systeme in Orthopädietechnik-Unternehmen eingeführt. Inzwischen stammen ca. 40 Prozent seiner Kunden aus diesem Bereich. Das sind etwa 200 Unternehmen, die zum Beispiel mit der Software Geomagic Freeform von Hexagon, den dazugehörigen haptischen Eingabegeräten von 3D-Systems und verschiedenen 3D-Scannern von Shining3D, Artec3 und Revopoint beliefert und supportet werden. Daneben hat Köster über die Jahre auch sein spezifisches Portfolio erweitert und bietet inzwischen auch die Software Wrapstyler von Polyquark an, die „eine Lösung für einen weiteren Engpass in den orthopädischen Werkstätten mit digitalen Methoden darstellt“, so Köster. Dabei geht es unter anderem um Schnittmuster für Faserverbund-Teile, Polsterungen und Bezüge. Insgesamt geht die positive Entwicklung laut Köster weiter, „die Zahl der Orthopädie-Kunden ist definitiv steigend.“ Die meisten davon sind mittelgroße Orthopädiebetriebe mit bis zu 50 Beschäftigten und mehreren Filialen.

Ausbau könnte schneller gehen

Antonius Köster ist stark überzeugt, dass die Orthopädietechnik für AM noch deutlich größere Chancen bieten kann, doch der Ausbau der AM-Prozesse in den Betrieben gehe oftmals zögerlich voran – wenn überhaupt. „Eigentlich müssten die Unternehmen zwei Mitarbeiter für die Einführung dieser Technologien abstellen. Das ist unsere Empfehlung.“ Köster weiß auch, dass diese Vorgabe für kleinere Orthopädietechnikbetriebe in der Regel unrealistisch ist. „Ein engagierter Meister hat im Tagesgeschäft nicht den Kopf frei und steht oft unter Zeitdruck. Und da flüchtet man sich bei Herausforderungen, selbst dann, wenn der Betrieb über Scanner und digitale Technologien verfügt, in bewährte traditionelle Methoden.“ Trotzdem kennt auch Köster eine Reihe kleinerer Orthopädietechnikbetriebe, die den Einstieg in die Additive Fertigung erfolgreich gemeistert haben und sogar ausbauen. „Das ist dann oft vom Inhaber oder dessen Nachwuchs getrieben.“

Bietet seit einem Vierteljahrhundert Soft- und Hardware für die digitale Fertigung: Antonius Köster. Bild: Antonius Köster
Bietet seit einem Vierteljahrhundert Soft- und Hardware für die digitale Fertigung: Antonius Köster. Bild: Antonius Köster

Als Lösung für kleinere Betriebe empfiehlt Köster, sich zuerst einmal intensiv beraten zu lassen, um herauszufinden, was man wirklich braucht. Der nächste Schritt wäre der Kauf eines Scanners und die Beschaffung individueller 3D-gedruckter Orthesen über einen Dienstleister. „Mit dem Scanner kann man den Patienten, das manuell erstellte Gipsmodell oder die Probeversorgung scannen und danach die finale Versorgung konstruieren und 3d-drucken lassen.“ Wenn dieser Prozess steht und der Bedarf wächst, kann der AM-Bereich entsprechend weiter ausgebaut werden. Köster hat auch die Erfahrung gemacht, dass sich immer mehr kleine Unternehmen bereits mit der digitalen Fertigung gedanklich beschäftigen – auch dann, wenn sie noch nicht genutzt wird. „Die meisten Anwender wissen, worauf sie sich einlassen, und dass der Scanner der erste Schritt ist, weil man ohne Daten nicht weiterkommt.“

Mehr Anwender gewinnen

Bei größeren Unternehmen sieht Köster bereits einen viel höheren Reifegrad und Skalierungsbestrebungen der AM-Prozesse – weil es hier ganz andere personelle Möglichkeiten gibt. So haben größere Orthopädietechnik-Betriebe regelrechte Entwicklungsabteilungen, die sich um individuelle 3D-gedruckte Versorgungen kümmern, aufgebaut. Auch hier hört Köster von seinen Kunden, dass sie den 3D-Druck und die digitale Fertigung noch stärker weiterentwickeln würden, aber passendes Personal oft der Flaschenhals ist. „Wir könnten also noch deutlich mehr Scanner und Software in den Markt bringen, wenn es mehr geeignete Bediener gäbe.“ 

Um dieses Ungleichgewicht zumindest teilweise auszubalancieren, setzt Köster auf Fortbildung. Er bietet neben den bekannten Grund- und Aufbauschulungen seit März 2026 auch einen Schnupperkurs für Einsteiger in die digitale Fertigung der Orthopädietechnik an – also für Interessenten mit wenig oder gar keinen Vorkenntnissen. Dabei geht es darum, ein Verständnis für die Vorteile digitaler Fertigung zu vermitteln. Es geht auch um Materialauswahl, Scanstrategien und wie man mit AM Orthesen und Prothesen intelligenter und reproduzierbarer aufbauen kann als mit traditioneller Fertigung wie Tiefziehen und Laminieren oft nicht möglich ist. Der Praxisteil beschäftigt sich mit mehreren Scann Aufgaben und dem digitalen Modellieren einer AFO (Ankle Foot Orthesis). Der Kurs richtet sich an Quereinsteiger, interessierte Mitarbeiter und Auszubildende, die sich am Ende ihrer Lehrzeit mit ihrer künftigen Fokussierung beschäftigen. Die Kurse finden am Standort von Antonius Köster in Meschede in einem eigenen 90 qm großen Schulungsraum mit 10 vollausgestatteten Arbeitsplätzen und dem benachbarten Demoraum für 3D-Scanner und 3D-Druck statt. Dieses neue Weiterbildungsformat ist auf der letzten Formnext im Austausch mit Kunden und Interessenten entstanden.

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