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AM-Startups und Investment

Das Ende der zu großen Versprechungen

Text: Thomas Masuch, 21.05.2024

Nach der Goldgräberstimmung für Start-ups in den vergangenen Jahren hat sich die Stimmung bei Gründern und Investoren deutlich eingetrübt. Insbesondere die Bewertung von Start-ups ist in der jüngsten Vergangenheit regelrecht eingebrochen, wie eine Studie von Ampower und AM Ventures zeigt, die die Entwicklung von Start-ups und Investments der vergangenen zehn Jahre analysiert. Aus dieser Konsolidierung lassen sich laut Matthias Schmidt-Lehr, Gründer und CEO von Ampower, auch Schlussfolgerungen für den gesamten AM-Markt ablesen.

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Bewertung von Start-ups oft an den Börsenbewertungen etablierter Unternehmen orientiert. „Die deutlich gesunkenen Aktienkurse und das längst nicht mehr so günstig verfügbare Geld haben auch die Bewertung von Start-ups deutlich sinken lassen.“

„Der zweite AM-Hype“

Laut der Studie von Ampower und AM Ventures hat sich die Bewertung von „AM Newcomers“ in den vergangenen zwei Jahren vom 311-Fachen des Umsatzes auf das 1,8-Fache reduziert. In die gleiche Richtung ging die Bewertung von etablierten AM-Unternehmen von 2021 bis heute: vom 5,9-Fachen des Umsatzes auf das 1,4-Fache. Ein Grund für diese Entwicklung ist laut Ampower „eine Überschätzung des adressierbaren Marktes.“ Zudem seien trotz technologischer Entwicklungen die additiven Technologien in vielen Bereichen teurer als traditionelle Fertigungsverfahren, die Einführung einer neuen Technologie oftmals nicht einfach. Gleichzeitig sei dieser „zweite AM-Hype“ auf immer schwieriger werdendes wirtschaftliches Umfeld gestoßen. Der Rückgang der Unternehmensbewertung ist dabei allerdings kein AM-typisches Phänomen, sondern zeigt sich auch in anderen Wachstumstechnologien. 

Hohe Ausgaben für schnelles Wachstum

Die Entwicklung des VC-Marktes für AM-Start-ups ist für Schmidt-Lehr auch ein Vorbote für eine Konsolidierung der gesamten Branche. „Es wird sich für junge Unternehmen einiges ändern, insbesondere wenn nicht mehr so viel günstiges Geld verfügbar ist.“ Das betreffe zum Beispiel den Bereich Marketing und Sales: „Derzeit geben viele AM-Unternehmen hierfür viel Geld aus – oftmals sind das 20 bis 30 Prozent des Umsatzes.“ Das hatte bisher einen guten Grund: Nur so ließen sich die hohen Erwartungen in Bezug auf ein schnelles globales Wachstum erreichen. Einen weiteren Grund für die hohen Sales-Ausgaben sieht Schmidt-Lehr darin, dass die AM-Anlagen sehr erklärungsbedürftig sind. „Bei großen Industriesystemen dauert es oft ein Jahr, um aus einem Lead einen Abschluss zu machen.“ Gerade mit Blick auf andere Industriezweige wie der CNC-Zerspanung ist der Unterschied gravierend. „Hier kennen die Kunden oftmals die Technologie und wissen, was sie erhalten. Da werden Verkäufe deutlich einfacher und effizienter abgewickelt.“

Auf konkrete Anwendungen konzentrieren

Trotzdem kann Schmidt-Lehr dieser Konsolidierung auch viel Positives abgewinnen. „Es wird der ganzen Branche helfen, wenn die heiße Luft aus dem Markt entweicht und wir zu einem gesunden Wachstum finden.“ Anzeichen dafür seien bereits zu sehen: „Selbst vielversprechende große Start-ups treten bescheidener auf und konzentrieren sich auf konkrete Anwendungen. Die Zeit, in der AM-Unternehmen versprochen haben, die Fertigung zu revolutionieren, ist vorbei.“ Deshalb rät Schmidt-Lehr auch jungen Start-ups, sich stark auf konkrete Anwendungen zu fokussieren und ein gutes Verständnis der Anforderungen der jeweiligen Zielgruppe zu entwickeln. 

Durchschnittliche Finanzierungsvolumen für AM-Technology -Start-ups in den vergangenen 10 Jahren in Mio. Euro. Quelle: Ampower
Durchschnittliche Finanzierungsvolumen für AM-Technology -Start-ups in den vergangenen 10 Jahren in Mio. Euro. Quelle: Ampower

Der Ingenieur und Branchenanalyst geht außerdem davon aus, dass „wir in Zukunft mehr Zusammenschlüssen von AM-Unternehmen, die ähnliche Produkte anbieten, sehen werden“. Ob dadurch auch weniger neue Technologien den Weg zum Markt finden, sei noch schwer abzuschätzen. Schließlich laufen zum Beispiel weiterhin viele neue Forschungsprojekte an den Universitäten. „Letztendlich wird es allerdings für Gründer sicherlich schwieriger, wenn sie neue Technologien etablieren wollen.“ Das liege nicht nur am teurer gewordenen Geld, sondern auch an dem bereits recht erwachsen gewordenen AM-Markt: „Das Potenzial für radikale Verbesserungen wird immer geringer“, erklärt Schmidt-Lehr. „Und bei 40 verschiedenen technologischen Ansätzen wird für viele die Nische, in der sie sich geschäftlich bewegen, kleiner.“ 

Durchschnittliche Finanzierungsvolumen für AM-Technology -Start-ups in den vergangenen 10 Jahren in Mio. Euro. Quelle: Ampower

MEHR INFOS UNTER:

ampower.eu
amventures.com

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  • Marktberichte und Studien