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Text: Thomas Masuch
Zudem entwickelt Novaindef in enger Zusammenarbeit mit Verteidigungs-OEMs auch die Produktionskapazitäten für künftige militärische Herausforderungen. Dafür wurden bereits mehrere Advanced-Manufacturing-Zentren in Spanien aufgebaut.
Novaindef gehört zur spanischen Sicnova Group und wurden gegründet, um die mehr als zehnjährige Zusammenarbeit im Bereich Additive Manufacturing mit dem spanischen Verteidigungsministerium in einem Unternehmen zu bündeln und weiterzuentwickeln. Novaindef verfügt über umfangreiche industrielle Fertigungskapazitäten am Hauptsitz in Linares. Dort stehen unter anderem mehr als 30 AM-Systeme für Metall von verschiedenen Herstellern (PDF und DED) sowie für Polymer- und Verbundwerkstoffe zur Verfügung. Ergänzt werden diese durch verschiedene CNC-Bearbeitungszentren, Einrichtungen für moderne Prüfverfahren wie Röntgenprüfung und Computertomografie und Anlagen zur Nachbearbeitung, Wärmebehandlung und Oberflächenveredelung.
Trotz der umfangreichen AM-Kapazitäten sieht Fernando Lasagni, CTO von Novaindef, den 3D-Druck nicht als isolierte Technologie und hebt den Begriff „Advanced Manufacturing“ hervor. „Unser Ziel ist nicht, eine bestimmte Technologie einzusetzen, sondern für jede Herausforderung die geeignetste Fertigungslösung zu finden.“
Daneben sieht die Kooperation mit dem spanischen Verteidigungsministerium vor, ein Netzwerk von Advanced-Manufacturing-Zentren innerhalb der Streitkräfte aufzubauen. Dazu gehören die drei CESFARE-Zentren (Centres for Manufacturing and Repair) für die Luftwaffe in Albacete, das Heer in Córdoba und die Marine in Rota. Ergänzt wird das Netzwerk durch das CEDAEC (Centre for the Development and Certification of Defence Applications) im spanischen Linares, am Hauptsitz von Novaindef.
„Neben den umfangreichen Fertigungskapazitäten bieten diese Zentren auch ein vollständiges Ökosystem für Entwicklung, Qualifizierung, Design, Prüfung und Zertifizierung. Dazu gehören Schulungen, Technologietransfer, digitale Lager sowie die Möglichkeit zur Validierung von Materialien, Prozessen und Bauteilen“, erklärt Lasagni.
Nicht mehr verfügbare Ersatzteile für jahrzehntealte Systeme
Die Entwicklung von Novaindef ist eng mit der Geschichte der Sicnova Group verbunden. Das Unternehmen mit Hauptsitz im spanischen Linares wurde 2007 gegründet und startete zunächst als Händler von 3D-Druckern. Inzwischen bietet Sicnova Engineering-Lösungen, Fertigungsdienstleistungen und industrielle AM-Technologien an.
Eines der wichtigsten additiven Geschäftsfelder sieht Lasagni in der Ersatzteilversorgung, denn militärische Plattformen bleiben oft mehrere Jahrzehnte im Einsatz, während Zulieferer, Produktionslinien oder manchmal sogar Hersteller verschwinden. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem spanischen Verteidigungsministerium werden deshalb veraltete Bauteile identifiziert, digitalisiert, gegebenenfalls neu konstruiert und anschließend gefertigt.
Neben den klassischen Vorteilen einer On-Demand-Produktion mit einem digitalen Lager sieht die Kooperation mit dem spanischen Verteidigungsministerium auch den Aufbau moderner Produktionskapazitäten vor. „In Kriegszeiten braucht man die Fähigkeit, schnell und umfangreich zu produzieren“, erklärt Lasagni.
Konkrete Anwendungen nennt Novaindef aus Sicherheitsgründen nicht. Lasagni erklärt jedoch: „Oft ersetzen wir Bauteile, die ursprünglich gegossen wurden und deren Qualitätslevel niedriger als bei anderen Produktionsmethoden ist. Hier verbessern wir mit AM zudem die Struktur und die Qualität. Das ist ein dreifacher Gewinn.“ Generell empfiehlt Lasagni bei der Einführung von AM einen geradlinigen Ansatz, bei dem man mit nicht tragenden Bauteilen beginnt und sich dann über zunehmend kritische tragende Teile hin zu äußerst anspruchsvollen Anwendungen, bei denen auch das dynamische Verhalten beachtet werden muss, vorarbeitet.
Mobile Fabriken für den Einsatz
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf mobilen Fertigungslösungen. Gemeinsam mit dem spanischen Verteidigungsministerium und unter Führung der spanischen Luftwaffe entwickelte Novaindef das System FAMU (Forward Advanced Manufacturing Unit), das während der Mission Pacific Skies 2024 in Alaska eingesetzt wurde. Dabei handelt es sich um einen Container, der verschiedene Technologien beherbergt, um Ersatzteile dort zu produzieren, wo sie gebraucht werden: ein DED-AM-System, eine 5-Achs-Bearbeitungsmaschine, Wärmebehandlungsmöglichkeiten sowie Prüf- und Qualitätssicherungssysteme.
Trotz der zunehmenden Bedeutung von Advanced Manufacturing warnt Lasagni davor, den Einsatz der Technologie zu vereinfachen. Gerade im Verteidigungsbereich seien Prüfungen, Zertifizierungen und reproduzierbare Prozesse entscheidend. „Die Einführung der Additiven Fertigung muss immer von robusten Inspektions-, Test- und Zertifizierungsprozessen begleitet werden, je nachdem, wie kritisch das Bauteil ist.“
Spanien als Vorreiter
Dass sich ein solches Advanced-Manufacturing-Ökosystem, mit dem Spanien international eine Vorreiterrolle einnimmt, gerade auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat, liegt für Lasagni an der Kombination aus einer gezielten Strategie und technischem Know-how im Ministerium sowie den nationalen Rahmenbedingungen. „Das Ingenieurkorps der spanischen Streitkräfte arbeitet seit vielen Jahren mit fortschrittlichen Fertigungstechnologien, was entscheidend dabei geholfen hat, diese Strategie umzusetzen“, sagt Lasagni. Gleichzeitig seien effiziente Regularien entscheidend. „In manchen Ländern sind Bürokratie und Reglementierung ein echter Killer für Innovationen.“